Das hat RTL beim Dschungelcamp still und leise abgeschafft
rüher war alles besser. Das muss ich einfach mal sagen. Ist halt so. Und das ist in diesem Fall völlig ernst gemeint. Das sage ich als jemand, der tatsächlich noch Erinnerungen an das erste Dschungelcamp im Jahr 2004 (!) hat.
Was heute auf RTL läuft, ist der graue Schatten von dem, was einmal gewesen ist. Denn es hat sich wirklich etwas Grundlegendes verändert, seit dieses Urgestein des deutschen Reality-TV an den Start gegangen ist
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Natürlich haben das schon viele Zuschauer bemerkt. Die Enttäuschung über den Zustand von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ gehört zum festen Rhythmus des Fernsehjahres. Jedes Mal, wenn die Kandidaten für die neue Staffel enthüllt werden, gibt es Enttäuschungen. So auch beim Dschungelcamp 2026.
Das sollen die „Stars“ sein, die uns der Titel der Sendung verspricht? Kann doch nicht sein. Die sozialen Medien sind empört. Mit diesen Promis kann die Staffel nicht gut werden, sagen die berechenbaren Reaktionen jedes Jahr wieder.
Am Ende schalten viele doch wieder ein. Vielleicht bleiben sie dran, weil sie überhaupt nicht wissen, was die Show in der Vergangenheit zu bieten hatte.
Das fehlt im Dschungelcamp 2026
Dabei ist es eine interessante Frage, was denn früher eigentlich besser war. Es geht schließlich nicht nur darum, was mit den aktuellen Kandidaten falsch läuft. Sondern es geht ganz konkret um die Frage, was heute fehlt.
Die Antwort darauf erscheint mir simpel: RTL hat den echten, unverfälschten Menschen aus dem Programm geworfen. Dabei waren das einmal die spannendsten Leute, die es im Dschungelcamp zu sehen gab. Wer es nicht erlebt hat, kann es sich vielleicht nicht einmal mehr vorstellen.
Die Änderung geschah nicht plötzlich. Sie kam still und leise, hat sich über Jahre hinweg eingeschlichen. Vor langer Zeit ging das Dschungelcamp mit Leuten an den Start, die einfach nur bekannt waren.
Die einen waren prominent durch ihre Musik, die anderen durch ihre Schauspielerei und wieder andere durch den Sport. Und natürlich waren auch allerlei Personen dabei, die auf andere Art zu kleinen oder großen Stars geworden sind.
Was frühere Kandidaten von heutigen unterscheidet
Wie kommt ein Haufen fremder Menschen miteinander zurecht, wenn das Essen knapp ist und die täglichen Aufgaben zermürbend?
Das wusste noch niemand, als Leute wie Daniel Küblböck, Willi Herren, Dolly Buster, Eike Immel oder Rainer Langhans in den frühen Staffeln dabei waren. Ganz Deutschland kannte sie, doch nie zuvor gab es diese Chance, sie als „echte“ Menschen zu sehen. Und genau das waren sie oftmals auch: einfach nur die Menschen von nebenan, die irgendwie berühmt geworden sind.
Nun sind im Dschungelcamp aber schon seit Jahren ganz andere Charaktere gefragt. Längst sind die Profis des Reality-TV am Drücker – die Experten all dieser Formate, in denen es ums reale Zusammenleben unter erschwerten Bedingungen geht. Kaum ein Kandidat taucht noch auf, der nicht mindestens bei einem der einschlägigen Formate dabei war.
Im Dschungelcamp 2026 gibt es nur noch einen Teilnehmer ohne Vorgeschichte bei Sendungen wie „Promi Big Brother“, „Sommerhaus der Stars“, „Temptation Island“ oder „Kampf der Realitystars“.
Das ist Schauspieler Hardy Krüger junior. Er zeigte sich lediglich bei „Let’s Dance“. Aber auch das gehört zum festen Pool, aus dem RTL die Dschungelcamp-Kandidaten schöpft.

Wer erkennt noch die Promis im Dschungelcamp 2026?
Auf Menschen zurückgreifen, die außerhalb der erwartbaren Entertainment-Shows stehen? Das gibt es offenbar nicht mehr. Wer sich solche Sendungen nicht ansieht, wird viele Dschungel-Teilnehmer inzwischen schlichtweg nicht erkennen. Umut Tekin? Samira Yavuz? Eva Benetatou? Wer sind denn diese Leute?
Auch auf diese Frage gibt es eine einfache Antwort: Sie sind die Garanten dafür, dass irgendwas passieren wird. Nicht mehr, nicht weniger.
Die willigen Darsteller im Trash-Fernsehen, die ohnehin davon leben, eine möglichst geringe Hemmschwelle zu haben. Fast jeder Dschungelcamp-Kandidat ist zumindest durch einzelne Reality-Sendungen schon an das Konzept gewöhnt.
Ob Dschungelcamp oder Sommerhaus – ist doch inzwischen egal
Im vergangenen Jahr haben durchschnittlich mehr als vier Millionen Zuschauer die neuen Folgen gesehen. Seit einem Jahrzehnt waren die Einschaltquoten zuvor weitgehend im Abwärtstrend gefangen. In der Spitze waren es einmal rund acht Millionen Zuschauer.
Die Schuld dafür einfach den Reality-Promis in die Schuhe zu schieben, wäre sehr kurz gegriffen. Die Welt hat sich halt verändert, auch im Fernsehen.
Einen großen Haufen Statisten aus den billigsten RTL-Sendungen zu verpflichten, hat dem Dschungelcamp aber offensichtlich auch nicht geholfen. Als Konzept für eine derartig erfolgreiche Sendung ist das offen gesagt auch ziemlich dünn.
Die Zuschauer würden sich selbst einen Gefallen tun, mehr von RTL zu fordern. Mehr Menschen mit großer Lebensgeschichte und Promis, die wirklich ganz Deutschland kennt.
Die aktuelle Belegschaft des Dschungelcamps könnte man auch in Nordrhein-Westfalen ins Sommerhaus stecken. Die Reise nach Australien allein macht das Programm noch nicht interessanter. Ist doch egal, wo und warum die austauschbaren C-Promis miteinander Stress bekommen




