»Bares für Rares«: Warum das ZDF mit einer Nachmittagssendung die Generation Z erreicht

Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten kämpfen um ihren Platz in der modernen Gesellschaft. Dafür investieren sie viel Geld in junge Formate. Im ZDF räumt ausgerechnet ein ehemaliger Fernsehkoch bei der Generation Z ab.
»Bares für Rares«-Moderator Host Lichter

Es sind Normalos, die dem Floskeln dreschenden und Schnauzer tragenden Ex-Bodybuilder gegenübertreten, um ihren Kellerbestand zu verticken. Jeden Wochentag um 15.05 Uhr und samstäglich um 15.15 Uhr lädt Horst Lichter im ZDF zum Antiquitätenbestaunen bei »Bares für Rares«. Es ist eine dieser Nachmittagsshows im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, konzipiert vermutlich irgendwann für Rentnerinnen und Rentner oder andere, die nicht mehr arbeiten müssen.

Das ganze Konzept von »Bares für Rares« lässt nicht erahnen, wie wertvoll die Sendung für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist. Klar, für die Stammklientel. Aber vor allem, und da wird es überraschender, für die junge Zielgruppe. Denn »Bares für Rares« ist für eine ZDF-Nachmittagssendung äußerst beliebt bei jungen Menschen.

»Bares für Rares« erreiche ein »außergewöhnlich breites Publikum«, heißt es vom ZDF auf SPIEGEL-Anfrage. »Darunter tatsächlich viele junge Zuschauerinnen und Zuschauer.« Bei den Nachmittagsfolgen liege der durchschnittliche Marktanteil bei 22,8 Prozent, in der werberelevanten Zielgruppe zwischen 14 bis 49 Jahren bei 11,1 Prozent. Die Sendung liege damit jeweils über dem Senderschnitt des ZDF, heißt es weiter.

Es sind aber – mit Verlaub – nicht die 49-Jährigen, die das Phänomen »Bares für Rares« erklären, sondern die sogenannte Generation Z. Also die nach 1995 geborenen. Eine Altersgruppe, die in den klassischen Medien für viele Fragezeichen sorgt und deswegen umso umkämpfter ist. Das zeigt allein, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk jährlich Dutzende Millionen Euro für sein junges Formatnetzwerk Funk ausgibt.

Die Gesichter von »Bares für Rares«

Dabei liegt ein großer Schatz, um mit Horst-Lichter-Stimme zu sprechen, im Hauptprogramm verborgen. Bei »Bares für Rares« kann sich jedermann mit heimischem Kram bewerben, egal ob es sich nun um ein altes Werbeschild, ein Möbelstück oder Schmuck handelt. Expertinnen und Experten schätzen dann einen potenziellen Verkaufspreis, und wenn alles glattläuft, bekommen die Bewerberinnen und Bewerber eine Karte in die Hand gedrückt und werden in den Händlerraum gelassen.

Dort sitzen sie nebeneinander, in wechselnder Besetzung, aber immer mit dickem Portemonnaie: Antiquitätenhändler aus Deutschland und Österreich. Sie überbieten sich im besten Fall gegenseitig, und Bewerberin und Händler gehen mit guter Laune nach Hause.

Seit Jahresbeginn lag der Marktanteil der Sendung bei den 14- bis 29-Jährigen bei 9,3 Prozent, heißt es vom ZDF weiter. Im zeitgleichen Konkurrenzvergleich ist »Bares für Rares« also Marktführer bei der »Gen Z«. So richtig sichtbar wird das – neben den Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Videoforschung (AGF) – auf Social Media.

»Bares für Rares« ist »clippable«, wie man es nennt, wenn relativ einfach kurze Videos aus den bis zu 55 Minuten langen Sendungen herausgeschnitten werden können, um sie gewissermaßen zu recyceln. Wenn etwa ein seltenes Schmuckstück präsentiert wird oder sich ein Bietergefecht entwickelt, entstehen für Instagram oder TikTok kleine Sequenzen, an denen man beim allabendlichen Scrollen im Bett hängen bleibt.

Der Content entsteht dort, wo Kameras auf normale Menschen gehalten werden. So stammt unter anderem das berühmte »Schauen wir mal, was wird«-Meme aus der Sendung.

Related Articles

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Back to top button
error: Content is protected !!