„Bin total geplättet“: Verkäuferin erzielt 60-fachen Wunschpreis bei „Bares für Rares“
„Bares für Rares“ lebt von diesen emotionalen Geschichten: Eine Stuttgarterin hatte sich vom Verkauf eines alten Armbands nicht viel erwartet – doch die Expertise übertrifft alle Erwartungen.
Köln – Schmuck-Experte Patrick Lessmann ist sich selbst nicht sicher – und holt sich deshalb Verstärkung von Kollegin und Kunsthistorikerin Bianca Berding, die erst kürzlich ein gut gehütetes „Bares für Rares“-Geheimnis verraten hat. Unter der Lupe bestätigt sich dann, was Lessmann vermutet hatte. Bei den fein gearbeiteten Motiv-Figuren auf einem Armband aus Gold handelt es sich tatsächlich um sogenannte Mikromosaike. Die beiden „Bares für Rares“-Experten können es selbst kaum fassen.

„Da musst du ja was Interessantes mitgebracht haben, wenn gleich zwei Experten draufschauen“, kommentiert Moderator Horst Lichter das ungewöhnliche Geschehen. Üblicherweise steht lediglich ein Fachmann oder eine Fachfrau am Expertentisch der ZDF-Trödelshow. Lessmann ist sich nun jedenfalls sicher, ein ganz besonderes Stück vor sich liegen zu haben.
Verkäuferin erzielt bei „Bares für Rares“ 60-fachen Wunschpreis
Denn bei Mikromosaiken handelt es sich um winzige Glaspartikel, die zu einem Bild zusammengesetzt werden – echte Präzisionsarbeit. „Und hier wurde sie nahezu zur Perfektion ausgeführt“, urteilt der „Bares für Rares“-Experte. Das Armband, das vor ihm liegt, besteht aus fünf Figuren, die in Platten aus Obsidianglas eingearbeitet wurden. Verbunden sind diese durch Ornamente mit Blumenmuster in 585er Gold.
Bei den Mikromosaik-Figuren handelt es sich um Darstellungen griechischer Offiziere, einer Bäuerin sowie einer arkadischen Hirtin. Diese basieren auf Kupferstichen des deutschbaltischen Malers und Schriftstellers Otto Magnus von Stackelberg (1786 bis 1837). Die Kupferstiche sind laut Lessmanns Expertise im Jahr 1825 erschienen, das Armband dürfte um 1830 gefertigt worden sein.
„Ach, hör auf, das ist ja Wahnsinn“, kann Horst Lichter seine Verblüffung nicht verbergen. Und auch Verkäuferin Petra Baur kann es kaum glauben. Weder hatte sie geahnt, dass das Erbstück ihres Adoptivvaters so alt ist, noch dass es sich um echtes Gold und wertvolle Mikromosaike handelt. „Ich hatte mal gehofft, 50 Euro dafür zu bekommen“, antwortet sie auf Lichters Frage nach ihrem Wunschpreis.
„Die würde ich ihnen dafür geben“, gibt Experte Lessmann zurück. Und nennt dann seine eigene Schätzung. 2000 bis 3000 Euro hätte das Armband in gutem Erhaltungszustand bringen können, der Goldpreis allein liege bereits bei rund 540 Euro. Leider sei es bereits stark beschädigt, weshalb er auf 1500 bis 1600 Euro geht. Immer noch gut das 30-fache des Wunschpreises der Stuttgarterin.
Doch letztlich kommt es bei der ZDF-Show darauf an, was die Händler bereit sind zu zahlen. Und da geht die Schere weit auseinander. Ist ein antikes Stück nicht mehr in Mode, sind sie häufig sehr zögerlich – wie beispielsweise ein Mutter-Tochter-Gespann erfahren musste, das sich für ein 150 Jahre altes Schmuck-Set wesentlich mehr erhofft hatte. Umgekehrt kann es allerdings ebenso gehen, wenn sich ein Bietergefecht um ein heiß begehrtes Stück entwickelt.
„Bares für Rares“-Händler reißen sich um 200 Jahre altes Armband
Und wie geht es Petra Baur? Die Stuttgarterin erlebt noch einmal eine Überraschung, denn die Händler scheren sich keinen Moment um die Expertise, fragen nicht einmal danach. Zu begeistert sind sie von den fein gearbeiteten Mosaiken und dem Alter des vermutlich in Rom gearbeiteten Armbands. „Unglaublich, das ist ja fast 200 Jahre alt“, kommentiert etwa „Bares für Rares“-Urgestein Wolfgang Pauritsch – und steigt gleich mit einem Gebot von 1500 Euro ein.
Kollegin Susanne Steiger erhöht umgehend auf 2000 Euro. Im Eiltempo überbieten sich die beiden gegenseitig. Bei 3000 Euro fragt Steiger erstmals bei der verblüfften Verkäuferin nach, ob man denn ins Geschäft komme. Diese stimmt gleich zu, und lässt sich damit möglicherweise – nicht als erste Verkäuferin bei „Bares für Rares“ – einen noch höheren Erlös für ihren unerwarteten Schatz entgehen. Denn Wolfgang Pauritsch war wohl noch nicht aus dem Rennen. „Dann fragen Sie mich halt nicht mehr, auch gut“, zeigt er sich enttäuscht und ein wenig schnippisch.

Doch Zuschlag ist Zuschlag, und das italienische Armband geht an Susanne Steiger. „Sie können dann ja mit Ihrer Kollegin in Verhandlungen treten“, weist Petra Baur den ausgestochenen Pauritsch auf seine mögliche zweite Chance hin, was dieser mit einem Lachen quittiert.
Überglücklich verlässt die Stuttgarterin das „Bares für Rares“-Studio. „Ich hatte mir 50 Euro vorgestellt, 3000 sind es geworden. Ich hätte nie gedacht, dass dieses Stück so viel wert ist“, kommentiert sie, während sie mit den Fingern durch ihren Stapel von 30 100-Euro-Scheinen blättert – das 60-fache ihres Wunschpreises.












