Horst Lichter zeigt sich nach “Bares für Rares”-Expertise verblüfft: “Ohne Blödsinn?”
“Heide, du bist eine Granate”: Horst Lichter war dermaßen von der “Bares für Rares”-Expertin beeindruckt, die Verkäufer träumten derweil vom großen Geschäft.

Mit einer Kanne und einer spannenden Familiengeschichte kam eine Berliner Familie in die Montagsausgabe der ZDF-Trödelshow “Bares für Rares”. Die angeblich adlige Herkunft wurde zwar nicht bestätigt, doch Heide Rezepa-Zabel geriet regelrecht ins Schwärmen. Ihr Urteil beeindruckte Horst Lichter und weckte Hoffnungen auf das ganz “große Geschäft”.
Rezepa-Zabel konnte ihre Begeisterung nicht verbergen. Die organische Form der Kanne sei “ein absoluter Handschmeichler” und geradezu “verführerisch”. Die Expertin wollte daraus nicht nur trinken, sondern das Gefäß anfassen und sich in dem glänzenden Silber spiegeln. Lichter feierte die leidenschaftliche Expertise: “Heide, du bist eine Granate.”
Um die Silberkanne von Dorothee und Johannes aus Berlin rankte sich eine über Generationen weitergegebene Familiengeschichte. Demnach soll das Erbstück einst einer Ahne gehört haben, die als Zofe am Hof von Wilhelm II. tätig gewesen sein soll. Ganz sicher war sich die Verkäuferin jedoch nicht: “Ob das stimmt, weiß ich aber nicht.”
Ein Blick auf den Boden der Kanne brachte Klarheit: Rezepa-Zabel identifizierte den Stempel des bekannten Silberschmieds Johann Wagner, der den preußischen Hof belieferte. Die Expertin schwärmte zudem von der exzellenten Verarbeitung des Gefäßes. Doch eines stand fest: Aus der Zeit von Wilhelm II. stammte die Kanne nicht.
Verkäufer freuen sich nach Expertise: “Unfassbar, wie toll”
Die Formensprache verriet das Alter: Rezepa-Zabel datierte das Stück aus 12-lötigem Silber in die Übergangszeit zum Biedermeier, also 1800 bis 1815. Bereits zu dieser Zeit belieferte Johann Wagner den königlichen Hof. “Super gemacht”, betonte die Expertin den Korpus aus einem Stück 750er Silberblech.
Hinzu kamen die fein ausgearbeitete Details: die Zirbelnuss auf dem Deckel und die Akanthusblätter als Füße. Die Gestaltung passe “genau in den bürgerlichen Haushalt”, erklärte Rezepa-Zabel. “Also keine adelige Zuordnung?”, fragte die Verkäuferin nach. “Nein, auf keinen Fall.” Die Krone über dem Monogramm sei lediglich ein dekoratives Symbol.
Die Familienlegende wurde zwar widerlegt, für Rezepa-Zabel blieb die Kanne dennoch ein “Schatz” aus der Zeit des Königreichs Württemberg. Für das historische Silberobjekt erhofften sich Mutter und Sohn 400 bis 500 Euro. Dass sie so hoch ansetzten, hatte für die Verkäuferin einen einfachen Grund: “Immerhin ist der Silberwert gestiegen.”
Doch der reine Silberwert lag bei 540 Euro, erklärte die Expertin und sorgte damit für ungläubige Blicke. “Ohne Blödsinn?”, hakte Lichter nach, bevor er scherzte: “Warte, ich habe noch Silberlöffel zu Hause.” Anschließend schätzte Rezepa-Zabel die Kanne auf 800 bis 1.000 Euro. Damit hatte die Verkäuferin nicht gerechnet: “Unfassbar, wie toll”.
Händler-Team findet Gefallen an Silberkanne
Mit der hohen Expertise träumte Johannes bereits vom “großen Geschäft”. Und auch im Händlerraum schwärmte Daniel Meyer von der “wunderschönen” Eiform des Stücks. Er hielt die Kanne zunächst für russischer Herkunft. Der Stempel auf der Unterseite verriet jedoch ihren tatsächlichen Ursprung – Johann Wagner aus Berlin.
Mit einem Startgebot von 100 Euro legte Meyer zunächst vorsichtig los. Doch kurz darauf nahm die Auktion Fahrt auf. Susanne Steiger bot schnell 600 Euro für das historische Stück. Trotz des bereits übertroffenen Materialwerts stieg das Interesse weiter. Bei 750 Euro feuerten die Verkäufer die Verhandlung weiter an und nannten den Schätzpreis.
Die Verkäuferin hatte ihre Schmerzgrenze inzwischen an die untere Schätzgrenze der Expertise angepasst: 800 Euro. “Die gebe ich Ihnen”, rief Markus Wildhagen. Doch Steiger erhöhte prompt auf 820 Euro. Damit begann ein spannendes Duell zwischen den beiden Händlern, bei dem Wildhagen keineswegs bereit war, kampflos aufzugeben.
Doch bei 900 Euro zog sich Wildhagen schließlich zurück. Die Händlerin freute sich sichtlich über ihren Neuerwerb: “Hach, ist die schön”, schwärmte sie. Als Christian Vechtel scherzhaft vorschlug, daraus Eierlikör zu servieren, winkte sie jedoch ab. Wildhagen blieb schweigsam – vielleicht trauerte er noch seiner verpassten Gelegenheit nach.
Elektrotherapie-Gerät wird für 300 Euro verkauft
Auf einem weiteren Objekt der Sendung erkannte Bianca Berding ein Motiv nach Wassily Kandinskys “Composition IX” von 1936. Der Gobelin wurde aber zwischen 1980 und 1990 in China gefertigt. Gewünscht wurden 600 bis 800 Euro, 400 bis 600 Euro taxiert und Wildhagen wollte nicht mehr als 500 Euro zahlen. So nahm der Verkäufer den Wandbehang wieder mit. Sven Deutschmanek datierte einen Ruder-Renner, auch Holländer genannt, in den 1950er Jahren. Für das Kinderspielzeug vom Spielwarenhersteller O. & M. Hausser wünschte sich der Verkäufer 80 Euro. Der Experte schätzte aber 150 bis 250 Euro, denn “das ist ein sammelwürdiges Stück”. Wildhagen zahlte 190 Euro.
Eine Vollbronze von Johann Wolfgang von Goethe stammte laut Expertin Berding von der Gießerei Gladenbeck um 1900 und im Entwurf von Pompeo Marchesi von 1834 bis 1838. Der Wunschpreis lag bei 1.200 Euro. Berding taxierte 600 bis 700 Euro. Doch Daniel Meyer zahlte letztlich doch 1.150 Euro.
Ein Elektrotherapie-Gerät stammte laut Sven Deutschmanek aus England. Er datierte das medizinische Objekt im Mahagoni-Kasten zwischen 1880 und 1890. Für die “Patent Magneto-Electric Machine” wurden 100 Euro gewünscht, 80 bis 120 Euro geschätzt und am Ende von Fabian Kahl sogar 300 Euro gezahlt.









